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Aktuelle Informationen zum Sächsischen Meilenstein 2018 und Wissenswertes rund um das Thema Unternehmensnachfolge stehen hier zur Verfügung. 


Zwischen Mezzanine-Kapital und Notfallkoffer: Nachfolger brauchen Fachwissen

Immer mehr Übergeber, immer weniger Nachfolger: Seit 2014 überwiegt die Zahl der suchenden Alt-Eigentümer der der Übernahmeinteressenten auf Betriebssuche. Das belegt der aktuelle DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge. Darin rücken vor allem die Herausforderungen des Nachfolgeprozesses in den Mittelpunkt – angefangen bei emotionalen Hürden bis hin zu rechtlichen und finanziellen Schwierigkeiten.

Vor allem das Loslassen vom Lebenswerk bremst viele Übergabeprozesse aus. Denn es bedeutet Abschied nehmen vom eigenen Unternehmen, von Träumen und investierter Arbeit. Solche emotional aufgeladenen Prozesse führen jedoch häufig dazu, dass sich Übergeber auf eine kommende Übergabe nicht oder nur schlecht vorbereiten und dass sie einen überhöhten Kaufpreis fordern. Einen geeigneten Nachfolger zu finden, wird dadurch schwerer, der zeitliche Druck größer. Laut Report beobachten die IHK in ganz Deutschland, dass etwa ein Drittel der Unternehmer den Übergabeprozess auf die lange Bank schieben.

Dabei empfehlen die Berater, dass eine Übergabe drei bis zehn Jahre geplant werden muss, das heißt sich auch mit den Themen Krankheit, Unfall und Tod auseinanderzusetzen. Im besten Fall entsteht daraus ein sogenannter „Notfallkoffer“, in dem alle wichtigen Dokumente und Vollmachten abgelegt sind. Spätestens drei Jahre vor der Übergabe an die nächste Generation sollte die Suche nach einem Nachfolger beginnen; der Prozess der Übergabe beginnt laut DIHK idealerweise zwölf Monate vorher. Nicht zu unterschätzen ist dabei, dass auch die Chemie zwischen Senior und Nachfolger stimmen muss: Ein Nachfolgeprozess ohne Vertrauen und Respekt ist nur schwer umzusetzen.

Zugespitzt wird die Situation auch zunehmend durch die demographische Entwicklung in der Bundesrepublik: So erreichen laut DIHK immer mehr Unternehmer das Ruhestandalter. Gleichzeitig dünnen die Jahrgänge derjenigen aus, die sich am häufigsten für den Weg in die Selbstständigkeit entscheiden.

Neben den emotionalen Hürden müssen die potenziellen Übernehmer auch mit rechtlichen und finanziellen Besonderheiten umgehen. Laut DIHK-Erhebung erschwert etwa die Erbschaftssteuer eine familieninterne Übernahme in fast einem Viertel aller Fälle. Denn: Nach der Reform müssen Unternehmer mit Mehrbelastungen rechnen. Zudem seien Fragen der Umsetzung in die Praxis noch nicht ausreichend geklärt.

Hohe, mitunter überhöhte Kaufpreise verlangen nach einem ausgefeilten Finanzierungsmodell. Finanzierung mit Fremdkapital, Unterstützung durch ein Darlehen, mittels Bürgschaften oder Mezzanine-Kapital sind Möglichkeiten, die ein potenzieller Übernehmer kennen und unterscheiden muss. Jung-Unternehmer brauchen Fachwissen, sowohl rechtliches, finanzielles als auch betriebswirtschaftliches. Immer wieder neue Themen, wie Digitalisierung und Lizenzen, gehören dazu genauso wie Bürokratie und engmaschige Regulierung.

Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge bezieht sich auf Erfahrungsberichte der IHK-Berater der 79 Industrie- und Handelskammern. Zudem beruht er auf einer statistischen Auswertung des IHK-Service zur Unternehmensnachfolge.